Was ist eine BIM-Strategie? Der Praxis-Leitfaden

July 04, 20265 min read

Was ist eine BIM-Strategie? Antworten für Bauherren und Projektentwickler

Eine BIM-Strategie ist eine zentrale Entscheidungsgrundlage, die festlegt, welche BIM-Ziele eine Organisation verfolgt, welche Anwendungsfälle für ein Projekt relevant sind und wie diese über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg erreicht werden.

Sie ist kein Software-Einführungsplan, sondern eine Entscheidungsgrundlage:

  • Was soll BIM im Projekt konkret leisten?

  • Wer ist wofür verantwortlich?

  • Welche Informationen/ Daten werden wann benötigt?

Ohne diese Klärung bleibt BIM eine Modellierungsübung statt eines Steuerungsinstruments. Für Bauherren und Projektentwickler entscheidet die BIM-Strategie deshalb schon vor dem ersten Modell darüber, ob BIM im Projekt tatsächlich Nutzen stiftet oder nur zusätzlichen Aufwand erzeugt.

Mit Strategie kein Chaos, sondern Struktur und Klarheit

Was gehört inhaltlich zu einer BIM-Strategie?

Eine belastbare BIM-Strategie umfasst vier Kernelemente:

  1. Welche Anwendungsfälle sind für dieses Projekt relevant, etwa Kollisionsprüfung, Mengenermittlung oder die spätere Übergabe an den Betrieb?

  2. Welche Rollen und Verantwortlichkeiten gelten, wer liefert welche Modellinhalte, wer prüft sie?

  3. Welche Informationen werden wann benötigt, festgehalten in den Informationsanforderungen (AIR) und im BIM-Abwicklungsplan (BAP), der beschreibt, wie diese Anforderungen im Projekt konkret umgesetzt werden.

  4. Wie wird die Modellqualität laufend gesichert, statt erst am Projektende aufzufallen.

Diese vier Elemente entstehen nicht nacheinander, sondern bedingen sich gegenseitig. Eine Strategie, die nur eines davon regelt, bleibt Theorie.


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Warum scheitern BIM-Projekte ohne klare Strategie?

BIM-Projekte scheitern meist, wenn sie lediglich als Vertragsanforderung statt als abgestimmtes Zielbild verstanden werden. Ohne klare Strategie modellieren Projektbeteiligte mit unterschiedlicher Tiefe, Informationen fehlen an den entscheidenden Schnittstellen und es entstehen Konflikte über den tatsächlichen Lieferumfang. Das führt dazu, dass BIM-Modelle nicht als wertvolle Datenbasis, sondern als zusätzlicher, unkoordinierter Aufwand wahrgenommen werden.


Wie entwickelt man eine belastbare BIM-Strategie?

Die Entwicklung einer belastbaren BIM-Strategie erfolgt in fünf Schritten:

  1. Anwendungsfälle klären: Was soll BIM in diesem Projekt konkret leisten, und was ausdrücklich nicht?

  2. Informationsanforderungen definieren: Welche Daten braucht der Betrieb später, und wie wird das rechtzeitig in die Planung eingebracht?

  3. Rollen festlegen: Wer verantwortet Modellinhalte, Koordination und Qualitätssicherung?

  4. BAP entwickeln: Wie werden diese Anforderungen in nachvollziehbare Lieferstrukturen und Prüfprozesse übersetzt?

  5. Qualitätssicherung einplanen: Wie wird laufend geprüft, nicht erst am Ende?

Diese Reihenfolge verhindert, dass Standards abgearbeitet werden, ohne dass sie dem Projekt tatsächlich dienen.


Wer ist für die BIM-Strategie verantwortlich?

Die inhaltliche Verantwortung für die BIM-Strategie liegt beim Bauherrn oder Projektentwickler, da nur er die individuellen Projekt- und Betriebsziele definiert.

Die operative Umsetzung liegt beim BIM-Manager oder der BIM-Koordination: Er übersetzt die strategischen Vorgaben in Prozesse, Modellanforderungen und Prüfroutinen im laufenden Projekt.

Wird diese Verantwortung nicht getrennt, entsteht häufig eine Lücke in der Praxis: Der Bauherr überlässt die Strategie stillschweigend dem Planungsteam, das wiederum eigene Standards anwendet, statt die tatsächlichen Anforderungen umzusetzen.

Eine klare BIM-Strategie beginnt deshalb immer beim Bauherrn, auch wenn er sich dabei beraten lässt.


Wann sollte die BIM-Strategie erarbeitet werden?

Eine BIM-Strategie muss so früh wie möglich erarbeitet werden, idealerweise noch vor der Formulierung der Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und vor der offiziellen Auftragsvergabe.

Wird die Strategie erst während der Planung nachgezogen, sind zentrale Rollen und Vertragsstrukturen oft schon festgelegt, ohne dass sie zu den eigentlichen BIM-Zielen passen. Nachträgliche Korrekturen kosten dann mehr Zeit und Abstimmung als die ursprüngliche Klärung gekostet hätte. Das beobachte ich sehr häufig in meinen Projekten.

Auch bei laufenden Projekten lohnt sich eine Zwischenbilanz: Passt die aktuelle Praxis noch zu dem, was eigentlich erreicht werden sollte? Wenn nicht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, nachzusteuern, nicht erst bei der Übergabe an den Betrieb/ das Facility Management.


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Tipps aus der Praxis

Was strategisch richtig klingt, entscheidet sich in meinem Tagesgeschäft meist an zwei sehr konkreten Stellen: der Planungskoordination und dem Umgang mit Aufgaben und Kommunikation im Projekt.

Planungskoordination: Die Basis für echte Ergebnisse

In meinen Projekten liegen die wirksamsten Anwendungsfälle einer BIM-Strategie fast immer im Bereich der Planungskoordination, konkret bei der Modell/-Datenqualität und der Kollisionsprüfung. Das klingt zwar wenig überraschend, ist in der Praxis aber der entscheidende Punkt, an dem sich zeigt, ob eine Strategie trägt oder nur auf dem Papier existiert.

Aufgabenmanagement und Kommunikation: Weg vom E-Mail-Chaos

Ein Punkt, den ich in fast jedem Projekt neu betone: Die BIM-Methodik ist daten- und objektgetrieben. Das bedeutet konkret, dass Auffälligkeiten und Unstimmigkeiten aus der modellbasierten Planung nicht mehr als Screenshot per E-Mail beim Empfänger landen sollten, sondern als digitale Aufgabe, kurz: Task- und Issuemanagement.

Aus meiner Erfahrung ist das eines der größten Kommunikationsthemen in BIM-Projekten. Wenn wir objektbasiert arbeiten, lässt sich eine Aufgabe direkt mit dem betroffenen Bauteil verknüpfen, sei es die Tür, die Wand oder die technische Anlage.

Das schafft eine klare Verantwortlichkeit, denn es gibt für jede Aufgabe immer nur eine zuständige Person, statt einer Gruppe, die sich in informellen Abstimmungen verliert.

Eines meiner wichtigsten Ziele ist es, Klarheit für alle Projektbeteiligten zu schaffen. Das gelingt nicht durch überfrachtete, komplexe Dokumente, sondern durch schlanke, praxisnahe Workflows, die wir gemeinsam im Projekt definieren, statt sie starr am Reißbrett vorzugeben.


Fazit

Planungskoordination und Kommunikation sauber zu definieren, ist am Ende keine reine Frage der Methodik, sondern der Disziplin, mit der ein Projekt seine BIM-Strategie tatsächlich im Alltag lebt.


Häufige Fragen zur BIM-Strategie

Was ist der Unterschied zwischen BIM-Strategie und BIM-Abwicklungsplan (BAP)?

Die BIM-Strategie definiert die übergeordneten Ziele und Anwendungsfälle. Der BAP beschreibt, wie diese Ziele im konkreten Projekt organisatorisch und technisch umgesetzt werden, er ist die operative Übersetzung der Strategie.

Braucht jedes Bauprojekt eine eigene BIM-Strategie?

Ja, zumindest in reduzierter Form. Auch kleinere Projekte profitieren davon, vorab zu klären, welche Anwendungsfälle relevant sind, der Aufwand ist deutlich geringer als die Kosten unklarer Anforderungen während der Planungs- und Bauphase.

Wer erstellt die BIM-Strategie – der Bauherr selbst oder ein externer Berater?

Die inhaltliche Verantwortung bleibt beim Bauherrn. Extern eingebundene Beratung strukturiert den Prozess, bringt Projekterfahrung ein und stellt sicher, dass die Strategie zu den tatsächlichen Zielen und Anforderungen passt.

Wie lange dauert die Entwicklung einer BIM-Strategie?

Das hängt von Projektgröße und Komplexität ab. Für die Grundstruktur: Anwendungsfälle, Rollen, erste Informationsanforderungen, reichen häufig wenige Workshops, wenn die relevanten Beteiligten frühzeitig eingebunden sind.


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Matthias Wittmann

Matthias Wittmann

Matthias Wittmann ist Gründer der Wittmann Digital Consulting GmbH und berät Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche bei BIM, CAFM, BIM2FM und digitalen Prozessstrukturen. Als Bauingenieur und erfahrener Berater verbindet er technische Expertise mit strategischem Prozessverständnis, von der Planung über den Bau bis in den Betrieb. Sein Fokus liegt auf klaren Strukturen, belastbaren Daten, pragmatischer Umsetzung und der erfolgreichen Verbindung von Menschen, Prozessen und Technologie.

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